Lehrplan
- 9 Abschnitte
- 34-Lektionen
- unbegrenzt
- 1. EinleitungEinführung1
- 2. Warum Sport für die Regeneration wichtig ist6
- 3. Die Bedürfnisse der VoTs verstehen4
- 4. Ethische und Sicherheitsprinzipien7
- 5. Traumasensible Sportpraxis7
- 6. Gestaltung inklusiver und effektiver Sportaktivitäten4
- 7. Selbstfürsorge und berufliches Wohlbefinden4
- 8. Ressourcen und Links1
- 9. FEEDBACK1
2.1 Warum Sport für die Regeneration wichtig ist
Was dieses Modul behandelt
Dieses Modul erläutert, warum Sport eine wichtige Rolle bei der Genesung und Wiedereingliederung von Menschen spielen kann, die Gewalt, Vertreibung oder Menschenhandel erlebt haben. Es zeigt auf, wie Sport die körperliche Gesundheit, die emotionale Stabilität, soziale Kontakte und ein neues Gefühl der Selbstwirksamkeit fördern kann.
Es stützt sich auf Erkenntnisse aus der Bedarfsanalysebericht um die Vorteile des Sports hervorzuheben und die Bereiche aufzuzeigen, in denen Fachkräfte das Gefühl haben, mehr Unterstützung bei der Anwendung traumasensibler und emotional sicherer Ansätze zu benötigen.
Dieses Modul unterstützt Sportfachkräfte und -praktiker dabei, Sport als psychosoziale und integrative Ressource im Rahmen von Genesungs- und Wiedereingliederungsprozessen besser zu verstehen. Es vermittelt praktische Fähigkeiten zur Gestaltung emotional sicherer, inklusiver und gemeinschaftsorientierter Sportangebote und schärft gleichzeitig das Bewusstsein für Traumafolgen und Situationen, in denen die Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften erforderlich ist. Ziel des Moduls ist es außerdem, das Selbstvertrauen der Fachkräfte im Umgang mit Sportaktivitäten zu stärken, damit diese an verschiedene Genesungsphasen und die unterschiedlichen Bedürfnisse der Teilnehmenden angepasst werden können.
Warum dies bei der Arbeit mit VoTs wichtig ist
In allen Partnerländern wurden Sport, Spiel und bewegungsbasierte Aktivitäten übereinstimmend als zugängliche und sinnvolle Instrumente beschrieben, die die Genesung von Menschen unterstützen, die Gewalt, Vertreibung oder Menschenhandel erlebt haben. Fachkräfte nannten mehrere Wege, auf denen Sport zur Heilung und Wiedereingliederung beiträgt:
1. Sport bietet eine sichere, nonverbale Möglichkeit zur Interaktion.
Es unterstützt Traumaüberlebende dabei, sich sicher einzubringen, indem es einen nonverbalen, körperorientierten Ansatz bietet, der emotionale und kulturelle Widerstände abbaut. Die Teilnahme wird durch das Gemeinschaftsgefühl, das Vertrauen und das gemeinsame Ziel, die durch Teamaktivitäten entstehen, gefördert und stellt so Zugehörigkeit und Kooperation nach Erfahrungen von Isolation oder Kontrolle wieder her.
2. Bewegung hilft Überlebenden, wieder mit sich selbst in Kontakt zu treten.
Körperorientierte Praktiken wie Yoga oder Tanz ermöglichen es Betroffenen, wieder mit sich selbst in Kontakt zu treten und so Autonomie, Selbstvertrauen und emotionale Widerstandsfähigkeit aufzubauen. Regelmäßige sportliche Betätigung verbessert die Emotionsregulation, die Bewältigung des Alltags und soziale Kompetenzen wie Empathie und Durchhaltevermögen.
3. Eine sichere Durchführung ist unerlässlich.
Eine sichere Durchführung erfordert jedoch eine traumasensible Ausbildung, damit Trainer Stresssignale erkennen und ein unterstützendes Umfeld schaffen können. Letztendlich legt sportbasierte Rehabilitation Wert auf Vorhersehbarkeit, Teilhabe und Selbstbestimmung, nicht auf Leistung, und hilft den Betroffenen, vom Überleben zur Wiederannäherung zu gelangen.
Bestehende Rahmenbedingungen unterstützen diesen Ansatz. Mehrere europäische Initiativen unterstreichen die Rolle des Sports in den Bereichen Gesundheit, Inklusion und sektorübergreifende Zusammenarbeit, wie zum Beispiel:
- EU-Arbeitsplan für Sport (2024–2027): fördert Sport als Mittel zur Inklusion, Gesundheit und branchenübergreifenden Zusammenarbeit.
- EU4Health: unterstützt Initiativen zur psychischen Gesundheit und psychosozialen Genesung.
Wie man dies in der Praxis anwendet
Sport kann die Genesung fördern, wenn er in einer sicheren, vorhersehbaren und stressfreien Umgebung angeboten wird (Weltgesundheitsorganisation & Terre des hommes, 2019). Beginnen Sie mit sanften, leicht zugänglichen Aktivitäten wie Spazierengehen, Dehnübungen, Yoga oder kooperativen Spielen, die die Verbindung und nicht den Wettbewerb in den Vordergrund stellen.
Sport ist am effektivsten, wenn er die Teilnehmenden mit umfassenderen Unterstützungsangeboten, einschließlich Programmen zur psychischen Gesundheit und sozialen Diensten, vernetzt (Save the Children, 2008). Der Fokus sollte auf der Teilnahme, dem Prozess und dem emotionalen Bewusstsein liegen, nicht auf den Leistungsergebnissen.
Vertrauen und Gemeinschaft wachsen durch beständige Zeitpläne, kleine und feste Gruppen und einfache gemeinsame Routinen wie gemeinsame Aufwärmübungen oder abschließende Reflexionen (Sport for Development and Peace International Working Group [SDP IWG], o. J.).
Fortschritte sollten schrittweise erfolgen. Das Erkennen kleiner Erfolge und gemeinsamer Erlebnisse stärkt das Selbstvertrauen. Die kontinuierliche Abstimmung zwischen Trainern, Psychologen und Sozialarbeitern gewährleistet, dass die Aktivitäten dem emotionalen Entwicklungsstand der Teilnehmenden entsprechen.
Vermeiden Sie Formate mit hohem Leistungsdruck, Wettbewerbssituationen oder Situationen, die Stress auslösen könnten. Die Sitzungen sollten nicht von unbetreuten Freiwilligen geleitet werden, und persönliche Geschichten sollten niemals in Gruppen besprochen werden (Sport and Human Rights Coalition, 2023). Genesungsorientierter Sport basiert auf Wahlfreiheit, Sicherheit und Respekt vor persönlichen Grenzen und nutzt Bewegung als unterstützenden, nonverbalen Weg zur Heilung.
Sport unterstützt die psychosoziale Genesung durch die Förderung der Emotionsregulation, der körperlichen Verbindung, des Zugehörigkeitsgefühls und der Strukturierung. Diese Vorteile ergeben sich jedoch nur in emotional sicheren, traumasensiblen und strukturierten Umgebungen, die Schaden verhindern und Stabilität fördern (Save the Children, 2008).
- Sport eignet sich möglicherweise am besten in späteren Phasen der Genesung, wenn die Betroffenen beginnen, ihre Autonomie und Identität wiederzuerlangen.
- Strukturierte Gruppensitzungen schaffen eine “Zielstruktur” und fördern die kontinuierliche Teilnahme ohne Druck, gewinnen zu müssen.
- Mannschaftssportarten tragen dazu bei, die Isolation zu verringern; Migrantinnen beschreiben sie als eine Möglichkeit, neue kulturelle Normen zu verstehen.
- Die Praktiker berichten, dass regelmäßige Routinen die Teilnahme motivieren: “Selbst an schwierigen Tagen kommen sie zum Training; es wird zur Gewohnheit.”
