Lehrplan
- 9 Abschnitte
- 34-Lektionen
- unbegrenzt
- 1. EinleitungEinführung1
- 2. Warum Sport für die Regeneration wichtig ist6
- 3. Die Bedürfnisse der VoTs verstehen4
- 4. Ethische und Sicherheitsprinzipien7
- 5. Traumasensible Sportpraxis7
- 6. Gestaltung inklusiver und effektiver Sportaktivitäten4
- 7. Selbstfürsorge und berufliches Wohlbefinden4
- 8. Ressourcen und Links1
- 9. FEEDBACK1
5.1 Traumapädagogische Sportpraxis
Was dieses Modul behandelt
Menschenhandel setzt Betroffene systematischem Zwang, Kontrollverlust und wiederholter Gewalt aus. Diese Erfahrungen führen häufig zu komplexen Traumata, darunter posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Depressionen, Angstzustände, Hypervigilanz und ein tiefes Misstrauen gegenüber anderen. Viele Überlebende tragen zudem ein körperliches Trauma in sich – Erinnerungen, die im Körper gespeichert sind und sich in körperlicher Anspannung, Vermeidungsverhalten oder Stress bei Aktivitäten äußern. Hinzu kommt ein vermindertes Gefühl der Selbstwirksamkeit und Abhängigkeit, das die Selbstwirksamkeit untergräbt (Center for Healing and Justice Through Sport, 2022). Im Reintegrationsprozess können Sport und körperliche Aktivität eine wichtige Rolle dabei spielen, die Kontrolle wiederherzustellen, das Selbstvertrauen zu stärken und ein Zugehörigkeitsgefühl zu fördern. Bedarfsanalysebericht, Trainer und Moderatoren verfügen oft nicht über die nötige Ausbildung, um Traumareaktionen zu erkennen, wodurch die Teilnehmer während der Sitzungen dem Risiko einer unbeabsichtigten Retraumatisierung ausgesetzt sind.
Dieses Modul schließt diese Lücke, indem es Trainer:innen, Sozialarbeiter:innen, Psycholog:innen und Fachkräfte für die Wiedereingliederung mit dem Wissen und den Fähigkeiten ausstattet, die für die Durchführung traumasensibler und emotional sicherer Sportangebote für Betroffene von Menschenhandel oder gefährdete Personen erforderlich sind. Traumasensibles Sporttraining ist keine Therapie. Vielmehr geht es darum zu verstehen, wie sich ein Trauma auf Körper, Emotionen und Verhalten der Betroffenen auswirkt und den Trainingsansatz entsprechend anzupassen. Dieser Ansatz ermöglicht es den Betroffenen, Sport als einen Raum der Heilung, der Zugehörigkeit und der Selbstermächtigung zu erleben, in dem sie durch positive körperliche Erfahrungen ein Gefühl der Kontrolle und des Vertrauens zurückgewinnen können.
Warum dies bei der Arbeit mit VoTs wichtig ist
Ergebnisse aus der Bedarfsanalysebericht Die Studie zeigt, dass traumasensibles Sporttraining eine Neudefinition von “Erfolg” für Überlebende von Menschenhandel erfordert. Anstatt Disziplin, Leistung oder Anwesenheit in den Vordergrund zu stellen, liegt der Fokus auf emotionaler Sicherheit, dem Wiederaufbau von Vertrauen und der Wiedererlangung der Kontrolle über den eigenen Körper und die persönlichen Entscheidungen. Fachleute beschreiben Sport als ein Umfeld, in dem Überlebende schrittweise wieder am sozialen Leben teilnehmen und sich von der Isolation zu gleichberechtigten Mitgliedern einer Gruppe entwickeln können. In diesem Kontext stellt die Teilnahme selbst einen bedeutsamen Fortschritt im Genesungsprozess dar und ist kein Maßstab, an dem Verhalten gemessen oder korrigiert werden sollte. Für Trainer, Sozialarbeiter, Psychologen und Fachkräfte im Bereich der Wiedereingliederung bedeutet dies, Rückzug, Inkonsistenz oder Zögern als mögliche Anzeichen von Angst und erhöhter Wachsamkeit zu interpretieren, anstatt sie als mangelnde Motivation abzutun, und die Erwartungen entsprechend anzupassen.
Ein traumasensibler Ansatz trägt zur Klärung beruflicher Rollen bei und verringert das Risiko unbeabsichtigter Schäden. Fachleute weisen darauf hin, dass Sport zwar Resilienz fördern kann, aber auch zu Rückzug führen kann, wenn er in einem starren, wettbewerbsorientierten Umfeld stattfindet, das die Teilnehmenden starker Belastung aussetzt. Dieses Verständnis leitet Trainerinnen und Trainer dazu an, sich nicht als Therapeuten, sondern als Begleiter eines spezifischen Raums zu verstehen: eines Raums, der vorhersehbar und wertfrei ist und in umfassendere Unterstützungssysteme eingebettet ist, anstatt isoliert zu agieren. Der Fokus verlagert sich weg von spezifischen Techniken oder Übungen hin zur Schaffung sicherer, einladender Umgebungen und einer engen Zusammenarbeit mit anderen Fachkräften, die das wahre Fundament einer traumasensiblen Sportpraxis bilden.
